Evangelische Pfarrgemeinde A.B.

Bad Aussee – Stainach-Irdning

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe!
Albert Schweitzer

ZEITENWENDE

Gerechtigkeit erfüllen!

Zum Thema Gerechtigkeit möchte ich einen Vers aus Jes 32 herausgreifen: „(17) Und das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein und die Wirkung der Gerechtigkeit ist das Schaffen von Ruhe und Sicherheit für immer.“

Wird der Versuch unternommen, sämtliche heilsgeschichtliche Aussagen der Schrift, alles, was die Bibel über die Menschen und Gott zu sagen hat, mit einem einzigen Wort zusammenfassen, so bietet sich zuallererst der Begriff der Gerechtigkeit (צְדָקָה) an. Dieser in der Heiligen Schrift gebrauchte Begriff bringt (auch) die lebendige Treue der Menschen zur menschlichen Gemeinschaft zum Ausdruck.

Die Grundlage dieses Wortes liegt im Handeln Gottes begründet, der sich im Exodus und im Bundesschluss am Sinai als der offenbart hat, der sich mit den Gequälten Seines Volkes solidarisiert. Er bewirkt, dass den Menschen die Möglichkeit auf Freiheit eröffnet wird. Er nimmt die, die ihrer Rechte beraubt worden sind, wahr, lässt sich von ihrem Leiden anrühren und schafft ihnen Recht. Diese Art des Handelns Gottes, Gerechtigkeit umzusetzen, ist kein singulärer Vorgang, sondern durchzieht die gesamte Geschichte mit Seinem Volk und mit den Menschen aller Nationen auf Erden.

In den letzten zwei Jahren haben wir global einen erkenntnisstarken Punkt erreicht; wir stehen an einer Schwelle zu etwas noch nicht Erkennbarem. Es liegt an uns – auch an uns Christinnen und Christen –, ob es ein Auseinander bzw. eine noch tiefere Spaltung oder eine Wandlung wird; die erkennbaren Fakten allein bewegen uns nicht in lebensnotwendige Veränderungen. Es geht darum, die dahinterstehende Realität unserer Zeit zu erkennen, um sie als „Schmelztiegel“ wahrzunehmen, aus dem wir irgendwann, mit der Kraft zum Wandel für die notwendigen Korrekturen und Veränderungen, mit denen wir eine lebensorientierte Zukunft schreiben können, zurückkehren dürfen. Dabei will das Erkennen unsere Gerechtigkeit anderen gegenüber und unsere Heilung verkörpern, fördern und integrieren.

Tiefgreifende Veränderung auf unserer Erde, in unserem Verstand, vor allem aber in unserer Seele und in unserem Herzen, erwächst aus der Präsenz der Gerechtigkeit des lebendigen Gottes, und nicht aus Verbindungsabrissen bzw. der Spaltung zwischen Menschen und zwischen Völkern – in einer von Macht zerrissenen Welt voller Traumata.

Glauben ist bedingungsloses Vertrauen in יהוה, dass wir in der Lage sind, traumatische Ereignisse (Ungerechtigkeit/en) der Vergangenheit und Gegenwart – siehe den verheerenden Krieg in der Ukraine – in ihrer Komplexität zu erkennen, diese zu lesen und zu lösen – im Sinne Seiner Gerechtigkeit und unserer Heilung.

Jesus hat im Kontext Seiner Taufe einen entscheidenden Satz als Grundlage Seines (und unseres) Handelns gesagt (Mt 3,15b): „Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Das Wort beinhaltet den Begriff „Weisung“, d.h. für uns, die Weisungen des Lebens, die Weisungen Gottes zu erfüllen – das Gegenteil von Spaltung und Krieg. Die Grundlage unseres Handelns ist die Liebe, und diese erschließt sich uns aus Seiner Gerechtigkeit – uns gegenüber.