Die Wurzeln der Evang. Pfarrgemeinde Stainach – Irdning liegen in der Nähe des Schlosses Trautenfels in der Teilgemeinde Pürgg – Trautenfels.
Die Evangelische Kirche Neuhaus
1575 wurde in der Nähe von Schloss Trautenfels im Auftrag von Hans Friedrich Hoffmann, Freiherr von Grünbühel und Strechau die Evangelische Jakobs – Kirche in Neuhaus errichtet.
Die Kirche war 26,80 m lang und 17,40 Meter breit. Durch ihre erhöhte Lage war sie weithin sichtbar und erfreute sich eines regen Gottesdienstbesuches der Bevölkerung. Im Zuge der Gegenreformation wurde die Kirche zusammen mit den Nebengebäuden am 15.11.1599 in Brand gesteckt und der Kirchturm an seiner Ostseite gesprengt. Die Mauerreste wurden niedergerissen und dem Erdboden gleichgemacht.
Der Friedhof an der Südseite wurde geschleift.
Die Vertreibung der Evangelischen
Nach der Zerstörung der Kirche von Neuhaus und der Flucht der Geistlichen waren die zahlenreichen Evangelischen aus der Gegend um Pürgg ohne Platz für ihren Gottesdienst und ohne geistliche Führung zurückgeblieben. Trotzdem blieben viele ihrem Bekenntnis treu und gaben ihm Geheimen ihren evangelischen Glauben an ihre Kinder weiter.
Aufgrund der ständigen Verfolgung wurde ihre Anzahl immer geringer. Viele von denen, die dennoch hörbar ihren Glauben bekennen wollten, wanderten aus oder wurden zur Emigration gezwungen. Es gab immer neue Wellen von Auswanderern.
Noch 1752-1756 fanden Deportationen nach Siebenbürgen und Ungarn (Iklad und Budapest) statt.
Die Kirche geriet langsam in Vergessenheit, die Überreste wurden von Pflanzen überwuchert. Die Evangelischen verschwanden fast zur Gänze aus dem Gebiet.
Langsames Wachstum
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde durch Zusiedlung langsam an. Diese wurde zunächst von Gröbming, ab 1921 von Bad Aussee aus betreut. Ab 1938 gab es in Stainach eine Predigtstation.
1949 wurde Stainach Tochtergemeinde von Bad Aussee und 1959 selbständige Pfarrgemeinde. Zur besseren pastoralen Begleitung wurde 2017 beschlossen, mit der Gemeinde Bad Aussee zu einer Gemeinde zu fusionieren. Seit 2018 heißt die neue Gemeinde „Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Bad Aussee – Stainach-Irdning“.
Gemeindezentrum
Am 12. November 1967 konnte das südlich der Dreieinigkeitskirche errichtete Pfarrzentrum eingeweiht werden. Der Bau besteht aus zwei Gebäudeteilen – Pfarrhaus und Gemeindezentrum mit Gemeindesaal, Gruppenraum im Keller, Büro und Wohnungen im Erd- und Obergeschoss.
Der Bau ist so angeordnet, dass sich zwischen Gemeindezentrum und Kirche ein mit Birke und Blumenrabatten belebter Platz ergibt, der oft zu Gesprächen nach dem Gottesdienst genutzt wird.
Der Gemeindesaal ist südseitig mit großen Glasfenstern versehen. Hier treffen wir uns meist nach den Gottesdiensten zum Kirchenkaffee.
Im Innern bestimmt der offene Dachstuhl den Charakter des hellen Raumes.
Der Gemeindesaal wird während der Woche für die verschiedensten Gruppen oder Seminarveranstaltungen verwendet.
Kirchengedenkstätte Neuhaus
1973 stieß die katholische Mitchristin Frau Schulrat i.R. Berta Runge aus Irdning bei einem Spaziergang mit ihrem Hund auf die Spuren der Evang. Jakobs – Kirche Neuhaus. Sie setzte sich sehr dafür ein, dass die Jakobs-Kirche ausgegraben wurde.
Von 1989-1991 wurde durch Unterstützung von Superintendent Gerhold und Landeshauptmann Krainer die Ausgrabung in die Tat umgesetzt. 1992 konnte sie mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Superintendent Gerhold und Bischof Weber als Kirchengedenkstätte eingeweiht werden.
Die Gedenkstätte und der Gedenkstein mit der Aufschrift „Nicht vergessen, aber vergeben – in Jesus Christus ist Friede und Einheit“ erinnert an die Ereignisse der Vergangenheit und will dazu beitragen die Verletzungen im ökumenischen Geist zu überwinden und Glaube in transparenter Weise zu leben.
Die Gedenkstätte wird als Gottesdienstort genutzt. Jedes Jahr findet am 1. Sonntag im Juli das Neuhauser Kirchenfest statt, das die Gemeinden von Schladming bis Wald am Schoberpass und Bad Aussee zusammenführt.
Andachten werden jeden Sonntag von Anfang Juli bis Mitte September, jeweils um 18:00 Uhr gefeiert. Am 2. Sonntag im September, um 17:00 Uhr, wird der Sommer mit einem ökumenischen Gottesdienst beschlossen
Die Gedenkstätte wird auch sehr gerne für Taufen und Trauungen verwendet.
Zum Gedenken an 30 Jahre durchgehend Sommergottesdienste fand 2022 ein ökumenischer Festgottesdienst statt. Superientendent i.R. Gerhold und Pfarrer Hribernig gedachten der damaligen Zeiten des Aufbaues. Als Dankeschön erhielt Kurator W. Carlsson für die langjährigen Betreuungstätigkeiten eine Urkunde und eine Lutherrose überreicht. Mit 31.12.2022 endete sein Dienst.
Fachkundige Führungen sind auf Anfrage im Evang. Pfarramt Stainach möglich.
Geschichte der evangelischen Jesuskirche Bad Aussee
Reformation und Gegenreformation
Wittenbergs Ruf als Universität war schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts nach Aussee gedrungen, sodass der Hallamtsverweser Hans Herzheimer (1463 – 1532) seine Söhne Johannes Evangelist und Johann Jordan zum Studium nach Wittenberg schickte. Damals allerdings konnte er noch nicht ahnen, was das einmal bedeuten würde. Als er nach 12 Jahren, 1519, seine Söhne in Wittenberg besuchte, hörte er am 20. Februar 1519 tiefbewegt Luthers Predigt über die Erschaffung Adams und Evas. Herzheimer hat selbst die ganze Reise tagebuchartig festgehalten und liefert uns damit das erste und früheste Zeugnis von einer direkten Kontaktaufnahme eines Steirers mit Dr. Martin Luther.[1]
In der Mitte des 16. Jahrhunderts, einem der wechselvollsten unserer Geschichte, war ein Gutteil der Bevölkerung des Ausseer Landes Anhänger der Lehre Luthers. Am Ende des Jahrhunderts hatte sich die gesamte Steiermark mit mehr als zwei Dritteln der Bevölkerung dem evangelischen Bekenntnis zugewandt.[2]
Nach dem Abgang Herzheimers wurde Ulrich Storch erster Verweser des Hallamtes. Die unterbrochene Reformation des Salzwesens wurde wieder aufgenommen. In seiner Amtszeit nahm die Salzproduktion großen Aufschwung. Selbst Protestant, sorgte er für den ersten Prädikanten im Jahr 1523.[3] Praunfalks Bruder Hans Adam, von 1559 – 64 Salzverweser in Aussee, ist als Entdecker des Ischler Salzberges bekannt. Er trug auch wesentlich zur Festigung des Protestantismus bei. Hier verbinden sich auch die Gemeinden Stainach-Irdning mit der Kirchengedenkstätte Neuhaus und Bad Aussee, da in der Zeit, als die evangelische Kirche in Neuhaus bereits ein wichtiges protestantisches Zentrum bildete, die Familie Praunfalk Eigentümerin der Burg Neuhaus (heute Trautenfels) wurde, aber im Rahmen der Gegenreformation wegen ihres protestantischen Glaubens nach Nürnberg auswandern musste.[4]
Denn was unter Karl II. noch möglich war (z.B. die Nutzung der Spitalskirche für evangelische Gottesdienste[5]), änderte sich dann schlagartig unter seinem Sohn Ferdinand II. 1599. Ab da wurde die Bevölkerung gezwungen, dem lutherischen Glauben abzuschwören. Unter ihnen war auch Ritter von Praunfalk. Am 1. und 2. November kamen 800 bewaffnete Söldner als Begleitung einer Kommission nach Aussee und zwangen die Bevölkerung, dem lutherischen Glauben abzuschwören. Unter ihnen war auch Ritter von Praunfalk.

Das 19. und beginnende 20. Jahrhundert. Die Entstehung der Jesuskirche
Nach der Gegenreformation war der Anteil der Evangelischen bis auf wenige Gläubige zusammengeschrumpft.
Erst nach 300 Jahren sollte es wieder evangelische Gottesdienste in Aussee geben. 1868 war Aussee zum Kurort erklärt worden. Zu den wenigen Evangelischen am Ort, die zum Gottesdienst nach Goisern gingen, kamen nun Kurgäste aus dem In- und Ausland. So fand 1899 der erste Gottesdienst im Kurhaus statt: Es entstand die evangelische Predigtstation Aussee, die nun zur Pfarre Goisern gehörte.
Ihr erster Seelsorger wurde Dr. Dr. Friedrich Selle (1860 – 1931).

1906 kam noch das Gebiet von Stainach-Irdning dazu, das bisher von Gröbming aus betreut wurde.
Aussee wurde nun Predigtstation von Gröbming und Pfr. Dr. F. Selle zweiter Pfarrer von Gröbming mit Sitz in Aussee. Die Evangelischen in Aussee hatten nun einen ständigen sehr erfolgreichen Seelsorger. Dieser hatte ein bewegtes Amtsleben u. a. in der Oberlausitz, in Meran, Steyr und Graz hinter sich und neben seiner Pfarrleitung war er auch wissenschaftlich in der Botanik tätig, schrieb Bücher und gründete 1913 den Alpengarten. Sein Grabkreuz lehnt an der Nordseite der Kirche und im Inneren erinnert ein Relief an diesen außergewöhnlichen Kirchenmann.[6]
Unter seiner Leitung wurde ein Baugrund für eine Kirche gesucht und schließlich gefunden. Kostenvoranschläge und Baupläne von Baumeister Max Cordignano konnten 1906/7 dem Zentralvorstand des Gustav-Adolf- Vereins vorgelegt werden, welcher schließlich dem Bauplan nach der Kirche in Dansenberg (heute eingemeindet in Kaiserslautern/Pfalz) zustimmte. 1908 wurde der Bau vollendet.
Der Kircheninnenraum
Das Innere der Kirche ist schlicht gehalten – als Zentrum dient der Altar mit der Kreuzigungsgruppe, aus Lindenholz geschnitzt. Er ist ein Werk des Ausseer Bildhauers Alois Feichtinger (1880 – 1952).[7] Nach Absolvierung der Wiener Kunstgewerbeschule und Studienaufenthalten in Salzburg, Berlin und Dresden begann Feichtinger ca. 1905 seine selbständige Tätigkeit als Bildhauer in Aussee. Neben Sakralfiguren fertigte er auch Porträts, volkstümliche Reliefs und andere Arbeiten an. Nach seinem Tod wurde in seiner Werkstatt ein Blatt mit einer Kreuzigungsgruppe gefunden, das wohl als Vorbild für dieses Schnitzwerk anzusehen ist. Auf der einen Seite der Arbeiter, auf der anderen der Bergmann. Und beide Figuren tragen einen sächsischen Bergmannskittel! Woher stammte nun die Vorlage? Hatte Pfr. Dr. F. Selle dieses Blatt mitgebracht? Er war Vikar in der Lausitz gewesen. Oder Alois Feichtinger, als er in Dresden arbeitete? Wir wissen es leider nicht.
In der Gemeinde Cainsdorf in Sachsen ist noch heute eine Kreuzigungsgruppe zu sehen, die unserer sehr ähnlich ist. Möglicherweise ist damit das Original gefunden, zumal die Darstellung eine dortige Ortstradition widerspiegelt: Etwa die Hälfte der Bewohner dieses Industriedorfes waren Bergleute, die andere Hälfte als Hüttenarbeiter beschäftigt.
Die Kirchengemeinde Bad Aussee heute
Mehrere Pfarrer und eine Pfarrerin führten die Geschicke der Gemeinde erfolgreich durch mehr oder weniger stürmische Zeiten. Heute hat sie im Sprengel Bad Aussee ca. 400 evangelische Mitglieder, wobei im Jahr 2018 Bad Aussee und Stainach- Irdning wieder zu einer Gemeinde zusammengelegt worden sind, wie es bis zum Jahre 1959 schon gewesen war. Aktuell ist das Pfarrerehepaar Waltraud und Manfred Mitteregger als Administratoren für die Gesamtgemeinde verantwortlich.
In Bad Mitterndorf wird nach wie vor die malerische kleine Holzkirche als Predigtstelle von Bad Aussee mitbetreut.
Inhalt: Astrid Pilz und Christl Schurig, nach Vorlagen von I. Kirchschlager
Bilder: Astrid Pilz
[1] Ennstalwiki. Online verfügbar unter www.ennstalwiki.at/wiki/index.ph/Hans_Herzheimer_zu_Herzheim [21.10.2021], Stichwort: Hans Herzheimer
[2] O.A.: Evangelische Kirche in der Steiermark. Geschichte. Online verfügbar unter www. Evang.st/ueber-uns/geschichte/ [20.10.2012]
[3] Hollwöger, Franz. Aus der Geschichte des Ausseer-Landes. In: Rastl, Albert. Ausseer-Land mit Dachstein. Ein Bildwerk über Leute, Landschaft und Leben. Wels, 1958, 2. Aufl., S. 39
[4] O.A.: Geschichte von Schloss Trautenfels. Online verfügbar unter: www.museum-joanneum.at/schloss-trautenfels/geschichte [20.10.2021]
[5] Hollwöger, Franz, 1958, ebda.
[6] Österreichisches Biographisches Lexikon, Online verfügbar unter www.biographin.ac.at/oebl/_S/Selle_Friedrich_1860_193.xml [20.10.2012] Stichwort: Selle, Friedrich.
[7] Allgemeines Künstlerlexikon Online. De Gruyter, 2009. Online verfügbar unter https://www.degruyter.com/database/AKL/entry/_00402390/html [21.10.2021], Stichwort: Alois Feichtinger.

