Evangelische Pfarrgemeinde A.B.

Bad Aussee – Stainach-Irdning

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe!
Albert Schweitzer

Gedankensplitter: Meditatives und Nachdenkliches

Die Erfahrung der Stille

In unserem Alltag sind wir einem ständigen medialen Grundrauschen ausgesetzt: Radio, Fernsehen, soziale Medien, Internet usw. Immerzu umgeben uns Töne und Bilder. Natürlich verläuft auch unsere Kommunikation miteinander nicht lautlos. Somit ist ein Moment der Stille schon etwas Seltenes, vielleicht Ungewohntes, ja möglicherweise Ungemütliches. In der Natur kann man der Stille begegnen. Aber bringt uns das etwas? Dazu eine kleine Geschichte:

Zu einem Mönch kamen eines Tages mehrere Europäer, die ihn fragten: „Was für einen Sinn siehst du in der Stille?“ Der Mönch war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einer tiefen Zisterne beschäftigt. Er antwortete lächelnd seinen Besuchern: „Schaut in die Zisterne! Was seht ihr?“ Die Europäer blickten in die tiefe Zisterne. „Wir sehen nichts.“ Nach einer kurzen Weile forderte der Mönch sie erneut auf: „Schaut in die Zisterne! Was seht ihr?“ Die Leute blickten wieder hinunter. „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“ Der Mönch sprach: „Schaut, als ich vorher Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille. Man sieht sich selber!“ (aus Carl Zuckmayer: Der Rattenfänger) [1]

Danke Herr, dass du uns auf unseren Spazierwegen und Wanderungen in der Natur gerade jetzt im Herbst die Möglichkeit gibst, die Stille in der Natur zu spüren, die Ablenkungen auszublenden, dir nachzuspüren und deine Nähe zu uns neu zu erfahren.

[1] Christoph Kreitmeier, Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt, Online unter: https://www.christoph-kreitmeir.de/, Spirituelles [26.10.2025]

Baum und Himmel

Wir befinden uns mitten im Spätherbst. Das bunte Laub fällt von den Bäumen, die in den herbstlichen Sonnenstrahlen in Gelb und Rot aufglühen. Welch schöner Anblick! Das haben auch etliche Dichter so empfunden. Es gibt viele melancholische und auf das Lebensende hindeutende Herbstgedichte. Friedrich Hebbel sieht das Positive:

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel (1813-1863)

So, finde ich, sollte man jede Lebensphase betrachten: als ein Angebot Gottes, das Leben in allen Facetten auszukosten, es mit allen Sinnen wahrzunehmen. Lasst uns innehalten und den Tag feiern, den Gott uns schenkt. Danke Herr dafür!